Bring back memories

Die Liebknecht-Luxemburg-Demo hat eigentlich alles von dem Reiz verloren, welchen sie Anfang bis Mitte der 90er Jahre auf Klaus Peter ausueben konnte. Damals verabredeten man sich taetsaechlich zu dieser Demo und sie stellte neben Silvester, dem 1. Mai und dem 20. April einen der fixen Jahreshoehepunkte fuer selbsternannte Strassenkaempfer dar.
Wobei es Klaus Peter und seinem Umfeld viel weniger um den Anlass und die historische Brisanz der Demo ging als vielmehr um das Propagieren einer Art militanten Sozialismus. So nannten sie es jedenfalls, wobei die Begrifflichkeit sehr wenig definiert war und eher in zuegellosem Aktionismus auf der Frankfurter Allee interpretiert wuerde.
Eine dieser Demos war uebrigens die einzige Demo der Menschheitsgeschichte, auf der Klaus Peter eine Fahne trug, jedoch nur geliehen und Klaus Peter schaffte es auch nur ca. 500m , als er mit dieser gegen einen Polizeibeamten kollidierte, der das Tragen der Fahne als untruegliches Erkennungszeichen des Uebeltaeters an seine Kollegen weitergab. Um den Strafverfolgungsbehoerden keinen Vorschub zu leisten, wanderte die Fahne in deren Richtung und Klaus Peter in die graue oder vielmehr schwarze Masse der Szenedemonstranten. Schade um das schoene Stueck, es handelte sich um einen Eigenbau mit kurzem, aber sehr stabilem Holzgriff und Stoff in reinroter Ausfuehrung dem Anlass entsprechend.
Die damals noch in der Unterzahl befindlichen Mitglieder diverser Kleinst-K-Gruppen und proletarischer Kaderparteien versuchten zwar vereinzelt, die von ihnen ausgemachten Stoerer zur Ordnung zu rufen ; dies ueblicherweise mit der Parole ‘Hoert auf zu provozieren !’ und nur mit maessigem Erfolg und auch haeufig nicht ohne entsprechende Belehrungen und Blessuren zu erhalten.
In der Logik der Kaderkommunisten konnte Klaus Peter nur ein bezahlter Agent von irgendwas oder ein getarnter Zivilbeamter sein, welcher die moralische Unversehrtheit der Manifestation durch sein Verhalten diskreditierte.
Zu den beliebteren Opfern gehoerten, ebenfalls dem Anlass entsprechend, die Mitglieder der Partei, welche die zu ehrenden Vorkaempfer ermorden liessen und in beispielhafter Geschichtsknitterung ebenfalls auf dieser Demonstration zugegen waren. In eine solche Auseinandersetzung geriet leider auch ein bereits damals bekannter ‘Schreiberling’, der faelschlicherweise im Eifer des Gefechts fuer einen Verteidiger der Noske-Erben gehalten wurde.
Bei eben dieser Demo spielte sich genau das ab, was auf autonomen Events zumindest zu dieser Zeit vollkommender Usus war, die Polizei provozierte eine kleine Auseinandersetzung und versuchte dann, die Demo aufzuloesen.
Peinlicherweise befanden sich auf dieser Demo jedoch nur sehr wenige Demonstranten, die mit diesen Gepflogenheiten wirklich vertraut waren. So hatte die Berliner Polizei, welche mit einigen Hundertschaften den Vorplatz des Friedhofs stuermen wollte, den empoerten Anhang der SED-Nachfolger gegen sich. Kurios zu sehen, wie Plattenbaurentner mit Krueckstoecken auf Polizisten schlugen oder Damen im besten Alter und Lehrerinnen-Style Baumaterial als Barrikade auftuermten.
An eben dieser befand Barrikade befand sich kurze Zeit spaeter eine Polizeiwanne eingeklemmt und eine kleine Menschenansammlung empoerter Steuerzahler um diese, welche ihrem Unmut lauthals Luft machen.
Jedoch verstummten diese unmittelbar, nachdem Klaus Peter mit einer Baustange ausgeruestet forschen Schrittes auf das Fahrzeug zutrat. Die Menschenansammlung zerstreute sich urploetzlich und Klaus Peter befand sich zu dritt gegen die Besatzung der Wanne. Wobei die Baustange schon mitgerechnet ist und offensichtlich doch ausreichenden Eindruck erzeugte, so dass die Tueren des Transporters nicht geoffnet wurden. Zumindest nicht von innen, auf der anderen Seite machte sich die Dame im Lehrinnenstyle an dieser zu schaffen und versuchte den Fahrer vom Lenkrad zu ziehen, waehrend dieser sich verzweifelt daran festklammerte.
Prinzipiell scheint es fuer diese Leute keinen groesseren Tabubruch zu geben als der Sturm auf ein sozialistisches Heiligtum, in diesem Fall der Friedhof in Friedrichsfelde. Nur so laesst sich dieser wuetende Ausbruch proletarischen Bewusstseins erklaeren, der sich insbesondere im Osten ueblicherweise andere Ziele suchte.
Irgendwann ab Mitte der 90er mit der Hinzunahme des dritten L gab es Erlebnisse dieser Art nicht mehr und die Demo verkam zu dem, was sie heute ist. Wobei natuerlich auch die Moeglichkeit besteht, dass sich Klaus Peters Sichtweise geaendert hat und der Aufmarsch schon immer das war, was er heute ist. Aber zumindest fehlte ab diesem Zeitpunkt die aktionistische Komponente und damit der Grund fuer eine Teilnahme.

Post to Twitter Tweet This Post