Laut mmmatze hat eine weniger bekannte buergerliche Zeitung dazu aufgerufen, denkwuerdige WM-Erlebnisse der Vergangenheit zusammenzuschreiben. Diesem Aufruf leiste ich hiermit Folge, nicht weil das Erlebnis besonders denkwuerdig oder aussergewoehnlich waere, sondern weil die Geschichte von der Fussball-WM 2006 bereits fertig geschrieben war.
Unabhaengig davon denke ich seit einiger Zeit ueber die Fussball-WM 1990 nach und versuche mich zu erinnern. Eventuell gibts demnaechst hier zu lesen, wie alles begann – die Flaggen, der nationale Taumel, schwarzrotgoldene Autokorsos, normale Deutsche, die ihren Chauvinismus auslebten. Aber auch, wie versucht wurde, diesem Spuk etwas entgegenzusetzen und Kartoffeldeutsche abgestraft wurden.
Du darfst also gespannt sein.
Hier erstmal das denkwuerdige Erlebnis von der letzten WM.
Es war waehrend eines der letzten Spiele der Fussball-WM.
Der deutsche Ueberfussballer hatte bereits verloren und der Traum vom Weltmeister war ausgetraeumt. Sie sind wohl gerade dritter geworden, wie die Jungs mit migrantischem Hintergrund begeistert zu verkuenden wissen.
Am Besarinplatz bemuehen sich einige Vermummte um das Aufstapeln von Baumaterial und wenig spaeter einige Polizisten um das Entfernen des selbigen. Letzteres ging uebrigens deutlich schneller.
Ich lasse mich vom Muessiggang durch den Scenebezirk treiben. Vier Personen streiten sich lautstark mit einer fuenften, ich beobachte das interessiert eine Weile.
Es sind deutliche Insignien schwarzrotgeiler Kartoffelfans zu sehen, insofern geht es mich vermutlich nichts an. Als die Vier jedoch beginnen, auf den Fuenften einzuschlagen, dieser geht kurz zu Boden und wird getreten – an dieser Stelle halte ich es fuer meine sportliche und irgendwie auch moralische Pflicht, eine Schlichtung vorzunehmen.
Die Situation ist recht unuebersichtlich, alle ( einschliesslich mir ) wirken alkoholisiert. Ausserdem wurde die Polizei gerufen, welche sich bereits im Anmarsch befindet.
Ich gerate in die Kritik der vier, haette sie angeblich geschlagen. Ein Frau mit deutschem Loser-Halstuch zeigt mir ihre Verwundung am Bein, welche angeblich von mir stammen soll. Behauptet Sie und wird sie auch der Polizei gleich sagen wollen.
Ich verstehe das alles nicht. Irgendwie kommt dann raus, dass der Fuenfte, auf den sie geschlagen haben, sie als ‚Naziwichser‘ bezeichnet und eine Waffe gezogen haben soll. Letzteres ist natuerlich schlichter Unfug, in der Hand haelt er eine Digicam, welche kaum als Waffe dienen kann. Ersteres macht ihn mir jedoch deutlich sympathischer und ich beginne, das Ganze irgendwie einordnen zu koennen. Ich versuche ihn mehrfach davon zu ueberzeugen, dass er jetzt schnell gehen soll, da die Bullen gleich da sind. Die 4 Deutschtuemler haette ich sehr gern an einer Verfolgung gehindert. Leider geht er nicht. Aber ich gehe, da eine Diskussion mit der nahenden Polizei ueber verletzte Damenbeine und sonstige Hirngespinste nicht zu meinem Abendprogramm gehoeren soll. Die Polizei kommt, der ‚Fuenfte‘ versucht sich in das Haus zu fluechten, welches als die Antideutschen-WG bekannt ist.
Es tut mir leid, die Situation war mir erst zu spaet klar. Waere er doch einfach gegangen …
was für digicams gab es 1990 denn so? bei uns in der provinz waren die nämlich noch nicht im neuen kapitalistischen angebot.
hast du wieder nur die haelfte gelesen?
:D ja