Wer ist schuld wenn niemand schuld ist? #4

Wer ist schuld? Eine ewige Frage ohne vernünftige Antworten. Dabei mangelt es der Welt in der wir leben wahrlich nicht an Feindbildern. Im Grunde genommen trifft man sie jeden Tag auf der Straße, in Uni, Schule und den Warentauschzentren. Man nennt sie Deutsche, Bullen, Yuppies oder Studentinnen. Aber schuld sind sie dann doch nicht und nie an allem. Auf der Suche nach den eigentlich Schuldigen wühle ich mich durch die Abgründe der Gesellschaft. Die Ergebnisse schreibe ich in »Wer ist schuld wenn niemand schuld ist?« auf. Teil #4

Ich habe ein wenig geschwiegen und bin zu dem Schluss gekommen, dass das alles immer noch nicht besser ist. Und weil das alles immer noch nicht besser ist hämmer ich mal wieder ein paar Beleidigungen in die Tatsatur und verrate euch einen weiteren Teil der Wahrheit. Während Europa unter dem Joch der Natur zu Kreuze kriechen muss und eine Aschewolke aus einem Vulkan auf Island, mit einem Namen, den ich mir niemals merken werde, hechelt sie die radikale Linke dem nächsten kleinen Freudenfeuer entgegen. Nicht nur, dass den brennenden Autos die Öffentlichkeit abgegraben wird, durch Aschewolken, Vatikan und seinen kinderliebenden Hasspredigern, und die Bezechnung als »Irre« (Hamburger Morgenpost) mittlerweile eher einem beinahe neckischem Ritual ähnelt, das nächste Ritual steht ziemlich genau 10 Tage vor der Tür.

Nach diesen zehn Tagen, zum Schlafen gehen besungen mit »x Mal werden wir noch wach, heissa dann ist Krawallnacht«, ist es wieder alles wie vorher. In 10 Tagen aber ist 1. Mai. Am 1. Mai, so scheint es, wird es Kapital und Bullerei mal wieder richtig gezeigt. Vielleicht findet man gar ein paar Nazis in freier Wildbahn und trainiert für den Jagdschein. »Revolutionär«will man das ganze nennen, hat aber nur noch die Simulation einer Revolution für einen Tag und theoretische Versatzstücke, die allenfalls dazu taugen der eigenen Peer-Group zu signalisieren wie geil man schon ist. Früher wurde mal postuliert, dass es die Aufgabe der Revolutionärin sei die Revolution zu machen. Revolution 2010 ist bei Scheißtemperaturen auf der Straße zu sitzen um den Hauptfeind, die Nazis, zu ärgern, jagen aufzuhalten. Revolution 2010 ist »Wir zahlen nicht für eure Krise« bis zum Erbrechen zu schreien und dann nach den kollektiven Kotzanfall zu bemerken, das mans ja doch getan hat. Und, nicht zu vergessen, Revolution 2010 ist »Raven gegen Deutschland«, Politiksimulation zwischen Leberzirrohse und verätzten Nasenscheidewänden.

Um diesem gerecht zu werden müssen sich auch zwei Berliner Antifagruppen in einer werten Tradition zu üben: Grütze zu labern. »Berlin’s burning« verkündigen die Politikberaterinnen, man weiß zu berichten, dass die Mieten steigen und »Verdängung« herrscht. Ganz recht, der Nachbar geht, die Miete steigt, hauptsache die Köpi bleibt. Ach ne, stimmt gar nicht. Hauptsache der Kapitalismus bleibt. Auch nicht? Ach ne, der, das hat man erkannt, ist irgendwie schuld an dieser ganzen Misere. Ja, man lernt einiges über steigende Mieten oder Reiche oder brennende Autos. Ganz schlimm sei das alles, und die Politikerinnen? Die lügen alle! »Profilieren« so sagt man es ihnen nach ist ihre Sache.

Alles böse und alles gegen die armen Linken. Außer ein Teil der Bevölkerung, der der heimischen Aschewolken-Produktion wohlgesonnen zusieht. Die Wagensportliga fühlt sich riesig im Aufwind und verklärt dieses Rumgehampel auch noch zur revolutionären Tat. Revolutionär ist daran aber nicht, höchstens revolutionär 2010, und das ist ja wiederum nicht mehr revolutionär.

Zusammenfassend kann man sagen: Die Linke ist schuld daran, dass ich immer noch Schuldige suchen muss. Mit der Revolution light will man die Leute von ihrem Standpunkt zerren. Das ideologische Gekläffe bleibt aber auch auf die wackeren Linken nicht ohne Eindruck und plätzlich hat man sich selber zu den Leuten gezerrt und verklärt das Ganze dann als »Interventionismus«. Herzlichen Dank für Nichts.

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