Wer ist schuld wenn niemand schuld ist? #3

Wer ist schuld? Eine ewige Frage ohne vernünftige Antworten. Dabei mangelt es der Welt in der wir leben wahrlich nicht an Feindbildern. Im Grunde genommen trifft man sie jeden Tag auf der Straße, in Uni, Schule und den Warentauschzentren. Man nennt sie Deutsche, Bullen, Yuppies oder Studentinnen. Aber schuld sind sie dann doch nicht und nie an allem. Auf der Suche nach den eigentlich Schuldigen wühle ich mich durch die Abgründe der Gesellschaft. Die Ergebnisse schreibe ich in »Wer ist schuld wenn niemand schuld ist?« auf. Teil #3

Wenn die Bildungsstreikmisere eins gezeigt hat ist, dass mit dem studentischen Milieu, das mit »elend« bei der Situationistischen Internationale beinahe noch zu versöhnlich gekennzeichnet wurde, viel Staat aber nichts vernünftiges zu machen ist. Die »kleinen Kader« (SI) gaben sich alle Mühe Klischees zu bestätigen, sich zu Gewaltfreiheit, Abkehr vom Proletariat und der zukünftigen Karriere zu bekennen und damit vor allem eins zu sagen: Bildung lässt verdummen.

Das was die Citoyen, die ewig selig vom Dasein als Bourgeois träumen, zeigten waren Paradebeispiel jener demokratischen Dummheit, die sie mit der Muttermilch aufgesogen haben und sich heute zwischen Kurs um 8 Uhr, Sojamilch und Bio-Müsli in der Süddeutschen, taz oder FAZ  immer weiter aneignen. Noch die größten Arschlöcher durften sich weitesgehend im antrainierten Pluralismus suhlen und ihre Grütze zum Besten geben. An wen man sich zu wenden hat weiß die Studentin selbstverständlich auch genauestens: Der Staat solls richten. Studiengebühren in die Tonne kloppen, die gute vorkapitalistische Traumwelt der Uni vor dem Kapital schützen, welches seine Würgefinger um den Hals der »freien Wissenschaft« legt, den Master für alle ermöglichen und generell als große soziale Rettungsinstanz auftreten. Und der Staat reagierte, von der professionell inszenierten Politik beeindruckt hagelte es Lob von noch jeder, die irgendwie eine Kamera oder nur einen Notizblock vor die Nase kriegte. Präsidien und Gewerkschaften, sowieso alle bis hin zur rechts-konservativen Trottelvereinigung RCDS fanden wenigstens die Forderungen »verständlich«. Kritik erntete folgerichtig auch der praktische Teil des Protests, Studentinnen, die die größten Hörsäle der Universitäten blockierten, nein das ging nicht. Vereinzelt wurde die mangelnde Abgrenzung gegenüber »Linksextremistinnen« bemängelt. Die Politik erging sich in dem was sie am Besten können, mit großen, will sagen lächerlichen, staatsmenschlichen Gesten wurde palavert, Zuständigkeiten zwischen Präsidium, Landes-, Bundes. und Europapolitik hin- und hergeschoben.

Gesagt wurde wenig. Von allen Seiten, wenige erfreuliche Einmischungen linker Gruppen mal ausgenommen, erriecht auch nicht viel. Im Sommer aber geht es weiter, Bildungsstreik 2010. Und ewig grüßt das Murmeltier…