Schanzenfest macht Laune, Gott ist ein Hamburger

In der alten Zeit, als das zwischen Kottbusser Tor und Wrangelstrasse noch als eine ganz harte Nummer galt, gab es einen merkwuerdigen Wettstreit zwischen den Berliner und Hamburger Szenen. Hamburg und die Hafenstrasse galten als weich und Buergerinitiative, Kreuzberg so36 als der Nabel der Welt. Den nachgerueckten Ostberliner tangierte das zwar herzlich wenig, allerdings ist es wohl so, dass auf mich als sehr junger Mensch die Fernsehberichte ueber die Hafenstrasse, Schwarze Bloecke, Barrikaden und Auseinandersetzungen mit der Ordnungsmacht eine ausgesprochen grosse Attraktivitaet ausuebten und nicht wenig dazu beitrugen, diese Dinge Jahre spaeter selbst ausprobieren zu wollen.

Alles hat sich geaendert. Berlin, die provinzielle Haupstadt der zugezogenen Provinzler, hat nichts mehr auf Tasche. Milchgesichtige Polizeischueler jagen Demonstrationen auseinander und brennender Muell in einem Einkaufskorb am verkeimten Dorfplatz Liebigstrasse wird zum Indymediareisser. In zweifelhaften Plakaten werden Youtube und technischer Fortschritt fuer mangelnde Action verantwortlich gemacht.

Hamburg liegt meilenweit vorn. Das Schanzenfest ist ein Event des Stadtteils und seiner Bewohner_innen. Ein Fest in der Rigaerstrasse hingegen wird von den Bewohner_innen Friedrichshains ausserhalb der 5 Haeuser mit ungeklaerten Besitzverhaeltnissen gemieden wie die Schweinegrippe persoenlich.

Die Bullen machen sich im Schanzenviertel nun wirklich keine Freunde, wenn sie die Feierei stoeren. Angemerkt sei auch, dass der Anteil von Gross-Hanseaten auffaellig war. Ich kam mir sehr klein vor, das will schon was heissen. Wenn sich diese Mutantenarmee taetowierter Autonomenriesen erstmal in Bewegung setzt, hilft auch kein Wasserwerfer.

Damit kein Missverstaendniss aufkommt: Als die Auseinandersetzungen begannen, befand ich mich bereits feige auf dem Rueckweg und brachte meinen PKW in Sicherheit. So aendert sich eben alles.

Fest gebuchte Kulturaktivitaeten fuer die naechste Zeit: Am Montag werde ich ins Lido zu ‘La Roux’ gefuehrt, am 11.07. erfreuen mich vermutlich Plemo, Rampue, Frittenbude und diese Leute im ‘Lokal Berlin’ und am 8.8. geht’s zur Mutter der Festivals, dem Berlin-Festival in Tempelhof. Womit auch der Beweis angetreten waere, dass der Ex-Flughafen nicht besetzt werden muss, der Erwerb eines Tickets reicht voellig aus.