Schon einige Tage her: Motor im Gruenen in der Zitadelle Spandau. Ich erwartete einen Ausgleich fuer das grossartige Berlinfestival, auf welches wir ja dieses Jahr verzichten muessen.
Das Lineup war nicht so schlecht, wobei ich die herausragenden Editors nun schon fuenfmal gesehen habe und es auf Dauer doch unspektakulaer wird. Zumal sie keine neue Platte haben.
Die erste persoenliche Enttaeuschung fand direkt am Einlass statt. Meine Kamera wurde als zu ‘professionell’ bewertet und mir die Mitnahme in den Veranstaltungsort verwehrt. Es handele sich um eine Anweisung des Veranstalters, welcher das Security-Personal nachkam. In der Hoffnung, dass ein Veranstalter diese Zeilen liest: Wenn schon solche unzeitgemaessen Anweisungen, dann bitte auch das Personal schulen, dass es eine ‘professionelle’ Kamera von einer Olympus E-410 unterscheiden kann. Und diese Anweisung bitte auch vorher publizieren, so dass ich mich als zahlender Besucher darauf einstellen kann und mir eine der Anweisung entsprechende Ersatzcam mitbringe. So blieb meine draussen, alle anderen um mich herum knipsten emsig wie zum Hohn mit ihren Digicams.
Eine weitere Enttaeuschung war der Veranstaltungsort, welcher als schoenster Veranstaltungsort Berlins angekuendigt wurde. Nun, ueber Geschmack laesst sich streiten, der Innenhof der Zitadelle ist einfach nur ein rechteckiger Hof, vorn eine Buehne, fertig.
Nehmen wir nun den Ort des Berlinfestivals 2007, um diesen Vergleich erneut zu bemuehen, das alte Poststadion, verkommt das Ganze zum schmuddeligen Hinterhof vs. einem paradiesgleichem Garten.
Rundum den Platz des Geschehens befanden sich Staende, die zwar jeder Dorfkirmes oder Moebelhausjubilaeum zur Ehre gereicht haetten, nicht aber einem Medium, welches sich ‘alternative (Musik)propaganda’ auf die Fahne geschrieben hat.
Ueber das Publikum moechte ich mich gar nicht aeussern. Das koennte als Arroganz gewertet werden. Der Gipfel menschlichen Bodensatzes war sicher der Typ, welcher sich im T-Shirt ‘Wer geleckt werden will, muss auch blasen’ gefiel und an sich geschlagen werden muss. Es tut mir leid, wenn hier mein erhoehtes Aggressionspotential zum Vorschein kommt.
Ich unterlag uebrigens dem Irrtum, die Zitadelle Spandau mit dem Kriegsverbrechergefaengnis zu verwechseln. Oder letzteres zumindest fuer einen Teil von dieser zu halten. Das Gefaengnis, in welchem ranghohe Naziverbrecher und bis zuletzt der Hitlerstellvertreter Hess einsassen, ist jedoch ein anderes Gebaeude gewesen und in den 90er Jahren, nach Hess’ Selbstmord dann ohne Funktion, abgerissen worden. So hielt ich Ausschau nach der Gartenlaube, in welcher der Obernazi sein Leben mit einem Stromkabel beendete und erwartete, da es das Wochenende des Todestages von Hess war und Nazis Aktionen ankuendigten, mein Recht auf nazifreien Konzertbesuch unter Umstaenden koerperlich durchsetzen zu muessen. Natuerlich alles Quatsch, aber vor Langeweile kommt man schonmal auf solche Ideen.
Was war gut:
Iamx, ganz grossartige Band mit bizarrem Auftritt und natuerlich Editors, auch wenn ich schon so oft …
Fuer das Wetter mache ich uebrigens niemanden verantwortlich, war auch scheisse. Berlinfestival, komm doch bitte wieder!
Reinfall im Gruenen
Published: 2008/08/29Posted in: take good note of the western horizon
kleiner faktischer fehler, das gefängnis wurde schon in den 1980ern abgerissen und zwar nicht weil es ohne funktion war, sondern aus vernünftiger vorahnung.
http://en.wikipedia.org/wiki/Spandau_Prison
“In 1987, the prison was demolished, largely to prevent it from becoming a Neo-Nazi shrine, after the death of its final remaining prisoner, Rudolf Hess, who had been the prison’s sole occupant for more than twenty years after the release of Speer and von Schirach in 1966. To further ensure its erasure, the site was made into a parking facility and a NAAFI shopping center, and all materials from the demolished prison were ground to powder and dispersed into the North Sea.
As of 2006 a Kaiser’s Supermarket and a Media Markt consumer electronics store occupy the former prison grounds.”
ergänzung deutsche wiki:
“Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums stehen heute noch Bäume, die die Gefangenen in den 1950er Jahren gepflanzt hatten.”
-> die könnte man doch mal absägen ;)
stimmt, 80er. danke fuer die berichtigung.