b.b.m.

Die Geschichte des privaten Nazifeinds beginnt irgendwann Ende der 80er Jahre in der noch intakten DDR. Im heimatlichen Lichtenberger Plattenbaugebiet traf sich eine Art Jugendgang an den Tischtennisplatten aus Beton, um die Nachmittage mit gemeinschaftlichem Abhaengen, minderjaehrigem Alkoholmissbrauch und sonstigen altergemaessen Angewohnheiten zu verbringen. Klaus Peter kannte diese Gruppierung zwar, hatte aber bis auf ein oder zwei gemeinsame Abende nichts weiter mit ihnen zu tun. Man verlor sich aus den Augen, die DDR loeste sich langsam auf, Klaus Peter verliess das Plattenbaughetto und die Nazis besetzten mehrere Haeuser in der Lichtenberger Weitlingstrasse.
Klaus Peter wohnte zu dieser Zeit in einem besetzten Haus in Friedrichshain. Hier waere eigentlich die Stelle, an der man den allgemeinen Irrtum aufklaeren sollte, Klaus Peter waere ein langjaehriger Hausbesetzer gewesen: Die Episode der Hausbesetzung in Klaus Peters Vita ist maximal ein knappes Jahr lang.
Jedenfalls konnte er sich aufgrund smarten Aeusseren ungehindert in unmittelbarer Naehe der Nazihaeuser bewegen und tat dies auch haeufig. Bei einem dieser Ausfluege ueberholte ihn ein kleiner Punker und wurde von 4-5 Personen aus dem sogenannten ‘Jungvolkhaus’ verfolgt.
Klaus Peter fuhr parallel zu den rennenden Nazis mit dem Fahrrad ein Stueck mit, eine Intervention in unmittelbarer Naehe der Nazihaeuser waere sicher nicht ratsam gewesen. Dabei stellte er ueberrascht fest, dass es sich bei 3 Angreifern um Bekannte handelte, es waren Mitglieder der ehemaligen Plattenbaugang.
Klaus Peter konnte sich mit dem Fahrrad am Noeldnerplatzes zwischen den Verfolgten und die angreifenden Nazis bringen und den ersten ankommenden Nazi mit Hilfe boeser Worten und einer Schreckschusspistole doch so beeindrucken, dass diese von ihrem Vorhaben abliessen und fluechteten.
So begann die Feindschaft mit Andreas B., Plattenbaukind wie Klaus Peter und nun offensichtlich Lichtenberger Jungvolknazi.
Ueber viele Jahre trafen sich beide in regelmaessigen Abstaenden wieder, ohne dass es nochmal zu einer direkten Konfrontation kam.
Andreas B. versuchte Klaus Peter im Arbeitsamt Lichtenberg mit zwei anderen Nazis zu stellen und wurde selbst zum Gejagten, als er sich anlaesslich einer Antifa-Demo in Lichtenberg als Antiantifa betaetigen wollte.
Seinen wohl spektakulaersten Auftritt hatte er vermutlich, als er waehrend einer Nazidemonstration in Budapest mit einem ‘Blood & Honour’ – Transparent fotografiert wurde und dieses Abbild in der TAZ erschien. Dem Vernehmen nach verbrachte er spaeter seine Zeit mit Hooliganismus, Kleinkriminalitaet, Tuerstehen, Rockerwestentragen und im Knast, ohne jedoch wirklich Anschluss an die ‘Grossen’ dieser selbsternannten Halbwelt zu finden.
EIn letztes mal sahen sich beide dort, wo alles begonnen hatte: Klaus Peter schlenderte mit einer McDonalds-Tuete vom Bahnhof Lichtenberg die Weitlingsstrasse hoch und lief vor der Nazikneipe ‘Kiste’ unmittelbar am fett und alt gewordenen Andreas B. vorbei. Allerdings hatte dieser sich offensichtlich fuer Bier und gegen den ehemaligen politischen Kampf entschieden.
Andreas B. beendete in diesem Jahr sein schaebiges Leben an einem dazu passenden Strick in einer ebensolchen Scheune in der Naehe von Berlin.

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