Windschnittigkeit oder Todesverachtung beim Berlin Half Marathon? Darueber denke ich heute schon eine geraume Zeit nach, soll ich morgen mit dem mittlerweile imposanten Vollbart starten?
Wenn auch Du zu den zahlreichen Fans gehoerst, werde ich dich nicht nur durch meine herrliche Gesichtsbehaarung beeindrucken, sondern auch durch meinen grazilen und eleganten Laufstil. Wie ueberhaupt meine Gesamterscheinung ein wunderbares Schauspiel werden wird, gottgleich werde ich dem Ziel entgegenschweben. So hoffe ich zumindest.
Ein ebenfalls ganz einzigartiges Schauspiel war bereits die gestrige Startnummernausgabe. Der veranstaltende SC Charlottenburg hatte sich den unglaublichen Marketingtrick einfallen lassen, diese auf einer Fitness-Messe im ICC stattfinden zu lassen. Ich vermute, dass alle Besucher dieser Messe auch Teilnehmer des Marathons waren. Synergien schaffen Neukunden-Umsatz!
Es handelte sich naemlich um eine Messe fuer sogenannte End-Consumer und die Fitnessindustrie lockte diese mit zahlreichen Staenden in ihre Faenge. Auch ich habe kurz darin gezappelt, allerdings mit einem sehr trickreichen Kauf. Ich erwarb an einem Schnaeppchenstand ein Shirt des Marathons vom vorigen Jahr, welches nicht nur unglaublich preisguenstig war, sondern auch morgen den restlichen Teilnehmern die Illusion vorgaukeln wird, dass ich diese Strecke schon einmal gelaufen bin.
Ueberhaupt der SC Charlottenburg:
Vor einiger Zeit hatte ich mal den Plan, in diesem Blog eine Kategorie anzufangen und die Ueberreste des alten Westberlins, in dem die Welt noch in Ordnung und das Cafe Kranzler deren Nabel war, zu beleuchten. Neben dem KaDeWe, Hertha BSC, Brigitte Mira und dem Pfitze, Tempelhofer Schuetzenvereinen, dem Gripstheater, Molly Luft, Olympiastadion und Luftbrueckendenkmal haette der SC Charlottenburg auch einen besonderen Ehrenplatz verdient. Bereits die Nummernausgabe war von vielen freiwilligen Helfern und Helferinnen im ‘Icke-dette-kieckste-koofen-wesste-vastehste’-Style und dem Durchhaltewillen der ehemaligen Frontstadtbewohner stramm organisiert. Frauen und Maenner getrennt, alle tausend Nummern ein Stand, Tshirts hier, Chips da, Pasta nur mit Gutschein und Essen im Ambiente der nationalsozialistischen Erbsensuppenkueche. Zack Zack, so muss das gehen! Fehlten eigentlich nur noch Heimkehrer-Muetze und das locker intonierte Insulaner-Lied.
Ob der Godfather of Ur-Westberliner, Hitlerjunge und Kommunistenkinderverpruegler Harald Juhnke Mitglied im SCC war, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber er haette seine helle Freude an diesen Vereinsmeiern, soviel ist sicher.
day of disgrace
Published: 2008/04/05Posted in: hazy shade of criminal