
Als Ostberliner hatte ich immer ein recht unverkrampftes Verhaeltnis zu Turnvater Friedrich Ludwig Jahn, dem Namensgeber des Sportparks, in dem der Berliner Fussballclub Dynamo 13mal den DDR Meister erspielte, nur einmal das Doppel Meister/Pokal schaffte und niemals ueber das Halbfinale eines Internationalen Cups hinauskam. Inwieweit die 13 Meistertitel mit Schiedsrichters und Mielkes Hilfe zustande gekommen sind, obliegt nicht meiner Urteilskraft. Gemunkelt wurde viel, zwei Elfmeter in der Nachspielzeit sind sicher auch sehr ungewoehnlich grosses Glueck. Ich bin uebrigens kein Fussballfan mehr und habe auch keinen Funken Ahnung von den aktuellen Zustaenden in irgendwelcher Ligen oder Vereinen. Mein Interesse daran ist vor einiger Zeit erloschen.
Europapokalspiele des BFC in eben jenem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gehoeren zu den angenehmeren Kindheits-Erinnerungen, hatten sie doch irgendwie einen Flair von Internationalitaet. Karten waren nicht einfach und ohne ‘Beziehungen’ vermutlich gar nicht zu bekommen.
Turnvater Jahn (1778-1852) hingehen gruendete seinen Turnverein aus einer voellig anderen Motivation als der Freude am Sport und dem mehr oder weniger friedlichen Wettstreit.
Der erste Verein ‘Deutscher Bund’ wurde als Geheimbund gegruendet, dessen vorrangiges Ziel die Leibesertuechtigung der Deutschen fuer den Krieg gegen den Erzfeind Frankreich war. Mitglied konnte folgerichtig “nur ein Deutscher und Christ ” werden. Jahns Leibesertuechtigung an frischer Luft, begleitet von chauvinistischer und nationalistischer Propaganda, dienten vor allem dem Ziel der ‘Wehrhaftmachung’.
1810 erscheint Jahns Hauptwerk ‘Deutsches Volkstum’, welches den theoretischen Rahmen der Turnerbewegung bildet:
Polen, Franzosen, Pfaffen, Junker und Juden sind Deutschlands Unglück.
Wer die Edelvölker der Erde in eine einzige Herde zu bringen trachtet, ist in Gefahr, bald über den verächtlichsten Kehricht des Menschengeschlechts zu herrschen.
Zu dieser Zeit gibt es bereits etwa 12000 Turner in 150 Vereinen.
Anschliessend engagiert sich Jahn vor allem beim Aufbau studentischer Turnvereine, welche fliessend in deutschnationale Burschenschaften uebergehen. Diese feiern 1817 ein grosses Fest zum 4. Jahrestag des Sieges ueber Napoleon auf der Wartburg. Bei diesem findet eine Buecherverbrennung statt, fuer welche Jahn eine Liste der zu verbrennende Titel republikanischer und jüdischer Autoren angefertigte.
Jahn trat in ‘Deutsches Volkstum’ und bereits im vorher erschienenden ‘Bereicherung des hochdeutschen Sprachschatzes’ vehement zur Verteidigung der deutschen Muttersprache ein.
Als am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz erneut Buecher verbrannt wurden, beriefen sich die Nazis dabei auf Friedrich Ludwig Jahn:
Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache! Für Pflege des kostbaren Gutes unseres Volkes
Gegen Frechheit und Anmaßung!
Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr.
Für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist!
Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky.
Der BFC Dynamo spielt heute im Sportforum Hohenschoenhausen in der Steffenstrasse. Im Jahn-Sportpark finden aktuell keine regelmaessigen Fussballspiele mehr statt.
In der letzten Printausgabe der context XXI gabs zu Turnvater Jahn auch einen guten Artikel. Habe sie hier irgendwo rumliegen…muss mal suchen.
es stimmt nicht, dasz der bfc nicht mehr so oft im jahnsportpark spielt. Denn alle als “Sicherheitsspiele” eingestuften spiele finden immer noch dort statt und aufgrund der tollen fans des bfc sind das gar nicht so wenige.
Wer suchet, der findet: http://ns-ooe.contextxxi.at/item5.html
wie oft ist das denn im jahnsportpark? meiner ansicht nach doch nicht oefter als ein oder zweimal im jahr. kann mich aber auch irren. bin ja kein freund des fussballs.
fuer sicherheitskritische spiele gibts doch die alte foersterei. ich sag nur, 78. minute. :-)
http://www.nordostfussball.die-fans.de/stadien/index.php?region=Nordost&standort=Berlin&id=2
aktuell ist das wohl das heimstadion des BAK Ankaraspor 07.