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Mainzer Strasse Raeumung – Der dritte Tag

So gegen 5.30 Uhr kam Silvio Meier in Klaus Peters Zimmer : ‘Sie kommen’ . Das war wohl der Spruch, welcher zu diesem Zeitpunkt in den meisten damals noch besetzten Haeusern zu hoeren gewesen sein wird.
In der Mainzer Strasse angekommen, musste Klaus Peter feststellen, dass die Unterstuetzung sehr viel geringer als erwartet war. Verhaeltnismaessig wenige Leute hatten den Weg hierher geschafft. Die Frankfurter Allee war zu diesem Zeitpunkt wie ausgestorben. Was sich wenig spaeter aendern sollte. Der bis dahin wohl groesste Polizeieinsatz der deutschen Nachkriegsgeschichte begann.
Gas- und Blendschockgranaten wurden massenhaft in die Strasse geschossen, die Daecher wurden von Sondereinheiten der Polizei besetzt. Mit Metallplatten als Schutz ueber den Koepfen arbeiteten sich die Polizisten unaufhaltsam ueber die Fussgaengerpassagen an den Barrikaden vorbei vor und drangen zuegig in die Strasse ein. Ein damaliger Freund von Klaus Peter wurde dabei durch Schuesse verletzt. Klaus Peter selbst entkam in in ein Haus, und konnte die Tuer zu diesem gerade noch verschliessen, bevor die direkt folgenden Polizisten eindringen konnten. Wobei dieses Sicherheit relativ truegerisch war, da bereits die ganze Gegend besetzt und es kein Entkommen aus diesem Haus mehr geben konnte. Der groesste Teil von Klaus Peters Mitbewohnern konnte uebrigens ueber einen anderen Hof entkommen und wurde von einem Anwohner bis zum Abend in seiner Wohnung versteckt und konnte sich so dem Zugriff entziehen.
Neben Klaus Peter befanden sich noch ca. 20 anderen Personen in dem Haus. Man sass zusammen in einem Zimmer im 3. Stock und hatte Angst vor dem, was kommen sollte.
Irgendwann hoerten sie starke Geraeusche aus dem Erdgeschoss, welches vom Splittern der Haustuer verursacht wurden. Das Haus wuerde von einer Polizeieinheit gestuermt, welche offensichtlich aus sehr jungen Nachwuchskraeften bestand und sich absolut korrekt gegenueber den darin befindlichen Verteidigern benahm. Waehrend Faelle von Misshandlungen und Uebergriffen von anderen Festgenommenen bekannt sind, lief hier alles vollkommen im rechtsstaatlichen Rahmen ab. Klaus Peter wurde wie alle anderen auch auf den Hof gefuehrt und dort durchsucht. Auf Grund seines smarten Outfits und der Tatsache, dass er sich vorher natuerlich von allen verdaechtigen Gegenstaenden entledigen konnte, wurde er einer Gruppe zugeordnet, welche offensichtlich als wenig gefaehrlich eingestuft und wenig bewacht wurde. Mehrere Personen konnten an dieser Stelle jetzt noch fluechten, in dem sie unbemerkt durch in ein Kellerfenster krochen. Der Rest wurde einzeln ueber die Mainzer Strasse, welche jetzt von unzaehligen Polizisten wimmelte, in Richtung Frankfurter abgefuehrt.
Dabei Klaus Peter von einem Pressefotografen einer grossen Boulevardzeitung fotografiert, auf dieses Foto sollte er noch 10 Jahre spaeter angesprochen werden. Ausserdem entliess sein damaliger Arbeitgeber ihn auf Grund dieses untrueglichen Beweises fuer die Ursache seines Fehlens vom Arbeitsplatz fristlos.
Die Festgenommenen, unter denen sich Klaus Peter befand, wurden bis in die Nacht in der Polizeiwache Ruhleben festgehalten, wobei die dortigen Beamten deutlich ueberfordert wirkten. Einzeln entlassen, wurde Klaus Peter von zwei freundlichen Frauen vom ‘Ermittelnden Ausschuss EA’ zurueck nach Friedrichshain gefahren.
Die Mainzer Strasse war geraeumt und sollte noch monatelang von der Polizei besetzt bleiben, bevor sie saniert und regulaer vermietet wurde.