bring back memories

Anfang und Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts konnte man sich neben einigen anderen Aspekten linksradikaler Streitkultur auch immer des Aufschreis sicher sein, der nach linkem Aktionismus, welcher nicht hundertprozentig rechtstaatlich fundiert war, durch die Szene ging. Dieser erhob sich meist in den Zentren autonomen Daseins oder, in Ermangelung des noch nicht existenten Internet oder webzweinull, im linken Printmedium ‘Interim’ und hatte, etwas verkuerzt wiedergegeben, drei Kernaussagen:
‘Keine kleinen Laeden kaputtmachen !’
‘Keine Steine (aus den hinteren Reihen) auf Polizisten werfen !’
‘Das war doch gar kein Nazi, der da aufs Maul bekommen hat !’
Der oder die aeltere LeserIn erinnert sich sicher.
Klaus Peter fuehlte sich damals jener Stroemung Linksradikaler zugehoerig, welche die Autonomen im Allgemeinen und die Interim im Speziellen eher belustigt von aussen betrachtete und dementsprechend geringes Verstaendnis fuer derartig artikulierten Reformismus hegte.
Als nach den rassistischen Morden von Solingen die aufgebrachte Kreuzberger Bevoelkerung und Antifaschisten mit Steinen, Aexten und Eisenstangen auf anrueckende Polizisten (in Ermangelung tatsaechlicher Nazis) losging und verschiedene Laeden kurz und klein pluenderte, hatte eine Initiative vorgeblich anstaendiger Kreuzberger Bewohner nichts besseres zu tun, als sich gegen das Beschaedigen ‘kleiner Laeden’ auszuprechen. Angeblich wuerde damit eine Art Unfrieden im Multikulti-Bezirk gestiftet und das Zusammenleben der verschiedenen Bevoelkerungsgruppen gestoert werden. Dass dieser Frieden eventuell durch das Anzueden tuerkischer Frauen ohnehin beschaedigt war, kam den Kiez-Aktivisten, unter ihnen nicht wenige (Ex-)Linke, nicht in den Sinn.
Klaus Peter und Leute aus seinem Umfeld gaben darum, wohl in Opposition zu den verhassten Reformautonomen, variierende interne Parolen heraus, welche als running gag oft bedient wurden, ‘Nur die Kleinen!’ und die Forderung nach ‘einem feigen Steinwurf aus der zwanzigsten Reihe’ sind Beispiele dafuer.
Paradoxerweise propagierten selbst klassenkaempferisch motivierte Autonome fast immer den Angriff auf aldi, Kaisers, VW oder aehnlich gelagerte Fililalen grosser Ketten, niemals jedoch Aktionen gegen den Yuppieladen von nebenan. Erst mit dem Aufkommen einer Gruppierung namens ‘Klasse gegen Klasse’ wurde dieses voelkische Commitment aufgeweicht, diese hatte den alternativen Mittelstand ganz klar als Feindbild erkannt und ihre Aktionen waren dementsprechend orientiert.
An der Ĺ”hetorik und der Argumentation dieser Gruppe gibt es natuerlich, aus der Sicht von mehr als 10 Jahren spaeter, durchaus Kritikpunkte. So bediente sie sich, wohl in Anlehnung proletarischer Klassenkampfplakate aus den zwanziger Jahren im Stil von George Grosz der bekannten Groteske des fetten Zigarrenkapitalisten mit Melone. Ein Bild, welchem der tatsaechlich fokussierte Klassenfeind – alternative Yuppies, Karrieristen und Dachetagenbewohner – nun jedoch in keinster Weise entsprach. Um so fraglicher darum, warum sich dieser antisemitischen Stereotype ueberhaupt bedient werden musste, zudem mit einem Schuettelreim als Drohung garniert ‘Der Kampf Klasse gegen Klasse kommt auch bald in deine Strasse’.